heilpraktiker-akupunktur

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer vertrauen auf die sanften Methoden der Naturheilkunde – eine davon ist die Akupunktur. Nicht nur Ärzte mit Zusatzausbildung, sondern auch Heilpraktiker dürfen sie anbieten. Wie wirkt die Behandlung, und unter welchen Voraussetzungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Heilende Nadelstiche bei Akupunktur

Auf den ersten Blick mögen die langen Nadeln furchterregend wirken – doch Akupunktur ist in der Regel völlig schmerzfrei. Das Einstechen von Nadeln in den Körper ist Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und hat eine Jahrtausende lange Tradition. Es gibt verschiedene Unterformen, beispielsweise Ohrakupunktur oder Fussakupunktur. Das Grundprinzip ist immer gleich: Durch die feinen Nadelstiche soll die Lebensenergie im Körper harmonisiert werden, die man im Chinesischen „Qi“ nennt. Ist dieses „Qi“ im Ungleichgewicht, so entstehen nach Ansicht der TCM vielfältige Beschwerden.

Von Kopfschmerz bis zur Raucherentwöhnung – unglaubliche Wirkung

Vor allem chronische Erkrankungen sprechen gut auf die Behandlung an. Beispielsweise kann Akupunktur gegen Migräne oder lästige Spannungskopfschmerzen helfen. Solche Beschwerden bekommt die klassische Schulmedizin oft nur schwer in den Griff. Plötzliche Wunderheilungen solltest du aber nicht erwarten. Gerade Beschwerden, die schon länger bestehen, lassen sich nicht von heute auf morgen aus der Welt räumen.

Die chinesische Medizin orientiert sich immer am gesamten Menschen, nicht an einzelnen Krankheitsbildern. Deshalb kann sie dich auch unterstützen, wenn du deinen Lebensstil ändern möchtest. Häufig wird etwa Akupunktur gegen Rauchen angewendet. Die Behandlung kann dabei helfen, das Verlangen nach Zigaretten in den Griff zu bekommen. Auch die lästigen Begleiterscheinungen des Entzugs, wie etwa Unruhe und Gereiztheit, soll sie lindern.

Behandlungen auch in der Schwangerschaft möglich?

Viele Menschen entscheiden sich für Methoden der Naturheilkunde, weil sie als besonders nebenwirkungsarm gelten. Bei der Akupunktur sind Nebenwirkungen zwar bekannt, aber meist völlig harmlos: Gelegentlich kann sich ein blauer Fleck an der Einstichstelle bilden. Bei ganz bestimmen Punkten kann dem Patienten kurzzeitig schwindlig werden. Schwere Nebenwirkungen sind aber nicht zu erwarten, wenn der Therapeut sachgemäss arbeitet.

Aus diesem Grund kann Akupunktur in der Schwangerschaft ebenfalls bedenkenlos angewendet werden. Die sanften Nadelstiche können typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Kreislaufprobleme oder Müdigkeit lindern. Belegt ist auch eine positive Wirkung der Akupunktur bei der Geburtsvorbereitung: Die Geburtsdauer kann sich verkürzen und die Geburtswehen werden häufig als weniger schmerzhaft empfunden.

Alternative Medizin: Das übernimmt die Grundversicherung

Falls du dich für Naturheilkunde interessierst, fragst du dich sicher, welche Leistungen deine Krankenversicherungen übernimmt. Seit 2012 werden bestimmte Methoden aus der Alternativmedizin oder auch Komplementärmedizin durch die gesetzliche Grundversicherung vergütet. Dazu zählen neben der chinesischen Medizin die Homöopathie, die Phytotherapie, die anthroposophische Medizin und die Neuraltherapie.

Damit die Kosten übernommen werden, muss die Behandlung aber von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt werden, der oder die über einen Fähigkeitsausweis der Schweizer Ärztegesellschaft (FMH) verfügt. Für genauere Angaben helfen dir unsere Experten für Auskunft. Entscheidend ist die passende Zusatzversicherung bei der Krankenkasse.

Das bedeutet: Wenn du einen Heilpraktiker für Akupunktur aufsuchst, kommt die gesetzliche Grundversicherung nicht für die Behandlung auf!

Heilpraktiker: Zusatzversicherung weiterhin nötig

Es gibt in der Schweiz wesentlich mehr Heilpraktiker als Ärzte, die Akupunkturbehandlungen anbieten. Wenn du willst, dass diese nichtärztlichen Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden, dann musst du dafür eine Zusatzversicherung abschliessen.

Doch Vorsicht: Meistens ist für die alternativmedizinische Behandlung ein Selbstbehalt zu bezahlen. Seine Höhe kann sich je nach Versicherung unterscheiden. Ausserdem gibt es eine jährliche Obergrenze, bis zu der die Kosten übernommen werden. Informiere dich daher über die genauen Bedingungen der Kostenübernahme, bevor du eine Zusatzversicherung abschliesst und ziehe unsere Krankenkassen-Experten dazu.

Nur medizinische Leistungen werden von der Zusatzversicherung erstattet

In der Regel ist die Kostenübernahme durch die Zusatzversicherung an weitere Bedingungen geknüpft. Wichtig ist, dass die Krankenkassen nur medizinisch notwendige Behandlungen bezahlen. Als nicht medizinisch notwendig gelten vorbeugende Therapie-Massnahmen an gesunden Menschen. Auch bei sogenannten Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit oder Stress musst du damit rechnen, dass die Krankenversicherung die Kosten nicht erstattet.

Achte ausserdem darauf, dass der Heilpraktiker für Naturheilkunde von deiner Krankenversicherung anerkannt ist. Die meisten Krankenkassen führen entsprechende Therapeuten-Listen. Verschreibt dir der Therapeut bestimmte Heilmittel wie etwa Kräutertees, dann müssen diese vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic zugelassen sein, damit dir die Kosten erstattet werden. Auch stationäre alternativmedizinische Behandlungen werden von manchen Zusatzversicherungen übernommen. Du brauchst dafür allerdings eine ärztliche Überweisung und die Behandlung muss in einer Heil- oder Kuranstalt stattfinden, die von deiner Krankenversicherung anerkannt ist.

Ein Tipp: Lass dir vor jeder Behandlung bei dem von dir ausgewählten Therapeuten von deiner Krankenversicherung schriftlich bestätigen, dass sie die Kosten übernimmt bzw. welchen Kostenbeitrag sie leisten wird. So vermeidest du böse Überraschungen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnittsnote: 4.80 von 5)
Loading...

TEILEN